
"Wenn Engel reisen, dann suchen sie sich einen außergewöhnlichen Ort voller Harmonie, Glücksmomenten und besonderen Wohlfühl-Erlebnissen."


Die Vorfreude war groß als wir uns im Oktober 2007 zum „Nachweis zum Schießen auf bewegliche Ziele“ im Schießkino bei Blaser in Isny trafen. Denn sollte es doch im November auf Saujagd und die Jagd auf Muffel nach Ungarn gehen. Wir, das waren Hans und Peter, zwei Berufsjäger aus Tirol, mein Sohn Stefan, und die vertrauten Jagdfreunde Hermann und Benny.
Benny hatte damals schon gute Kontakte zum ungarischen Jagdvermittler Naturhuhn, und ein attraktives Jagdrevier gut zwei Autostunden von Budapest war dann auch schnell ausgemacht. Die Anreise mit Flugzeug nach Budapest war unproblematisch – Waffen und Gepäck wurden unbürokratisch „durchgewunken“ und erwarteten uns ohne Verluste am Gepäckband. Mit vereinten Kräften haben meine Jagdbegleiter Jagdtaschen, Koffer, Waffen und Rucksäcke unter das Vordach des Terminals geschafft, während ich mich auf den Weg machte den von mir bestellten Leihwagen zu holen. Surpise, surprise - sechs Jäger in Vollausstattung und ein Minivan – das passte nicht zusammen. Also musste noch ein kleiner Kombi nachgeordert werden – was sich unkompliziert anhört, aber in Budapest doch seine Zeit dauert, da ich dafür ans andere Ende des Airport fahren musste. Letztendlich haben wir dann doch im Schneetreiben auf schneebedeckter Fahrbahn Budapest in Richtung Jagdrevier verlassen.

Zu finden war das Jagdhaus „Haromhuta“ – was auf Grund der uns zur Verfügung gestellten Wegbeschreibung leicht zu finden wäre. Um es abzukürzen, nach einigen nächtlichen Verirrungen, und der Erkenntnis, daß ein Sommerwanderweg im Winter mit wenig geländetauglichen Jagdfahrzeugen nicht zu bewältigen ist, sind wir dann zwar spät in der Nacht, aber glücklich im Jagdhaus angekommen.
Als Entschädigung für die missliche Anreise hat die Unterkunft und die Verpflegung dann alle unsere Erwartungen übertroffen.
Gleich am nächsten Morgen ging`s früh raus. Peter, Hans, Stefan und Hermann wurden mit vier Jagdbegleitern in einen Bus verladen um im Revier „Tolscva“ auf Muffelwidder zu pirschen. Benny und ich fuhren mit dem Combi ca. 30 Minuten ins Revier „Telkibanja“. Dort nahmen uns unsere beiden Jagdbegleiter in Empfang. Unsere Euphorie war groß, und wir konnten es kaum erwarten auf vermeintlich kapitale Widder zu pirschen. Gepirscht haben wir den ganzen Tag – gesehen haben Benny und ich lediglich einige Stück Rehwild. Hans und Stefan haben es da schon besser gemacht, und sorgten mit zwei erlegten Muffel dafür, daß am Abend die Jagd mit detaillierten Erzählungen über den Jagderfolg, Gesang und bester Laune „eingeläutet“ wurde.
Der Jagdtag zwei verlief für Benny und mich wie der Erste. Wir hatten einen schönen bewaffneten Waldspaziergang, erfreuten uns an hochgelegenen Festungen, die trutzig auf riesigen Felsrücken thronten, hatten aber keinen Anblick. Dafür waren Peter und Hans im Glück, hatten sie doch beide einen Muffel zur Strecke gelegt. Noch ohne Beute waren Hermann, Benny und ich – was der guten Laune am Abend keinen Abbruch tat.
Kritischer haben wir Waidwerker das dann aber schon gesehen – als der Highlight vom Jagdtag Drei darin bestand, zu erfahren, wie in Ungarn mit Pferdewagen und russischen Kettensägen Holz gemacht wird. Die Freundlichkeit die wir erfahren durften hat die Enttäuschung darüber, beutelos nach Hause zu kehren, nicht wirklich lindern können. Wenigsten hatte Hermann im Revierteil Tolscva seinen heißersehnten Widder. Der Abend war dann davon bestimmt mit Naturhun zu telefonieren und unmissverständlich auf Abhilfe zu drängen. Die kam dann prompt am nächsten Tag.
Benny und ich wechselten ins Nebenrevier von Tolscva – dort wären die Muffel zwar nicht so kapital, dafür aber ziemlich sicher unterwegs. Mein neuer Jagführer legte schon mit ganz anderem Engagement los, im Vergleich zu dem was ich die Tage davor erfahren durfte. Nach kurzer Pirsch machte mich mein Begleiter auf Muffellosung aufmerksam. Das war mein erster „Muffelkontakt“ und stimmte mich entsprechend zuversichtlich. Mein neuer ungarischer Freund Josef zeigte auch gleich auf eine Anhöhe, jetzt sah ich sie – die schwarzbraunen Wildkörper, deutlich waren bei den Widdern der Sattelfleck auszumachen und natürlich auch die für mich eindrucksvollen Schnecken. Zum ersten mal in meinem Leben hörte ich das Kontaktmeckern und „Blädern“ von Muffelwild, aber leider auch gleich darauf Stampflaute und den Warnpfiff. Der Trupp setzt sich in Bewegung noch ehe ich alles genau wahrnehmen konnte. Wir setzten noch hinterher, und nach ca. 100 Gängen verhoffte das Rudel auch wieder. Muffel sind ausgesprochen „Augentiere“, das Laub war von den Bäumen, die Deckung schlichtweg lausig, und so musste ich mich mit einem kurzen Anblick zufrieden geben. Josef machte mir mit Zeichensprache klar daß es kein großer Verlust war – denn ein reifer Widder war wohl nicht dabei.
Wir zogen weiter den Hang hinauf in der Hoffnung auch endlich mal das „Rammen“, das weit hörbare Aufeinanderprallen der Schnecken, zu vernehmen. Fehlanzeige - obwohl wir nahezu Hauptbrunft hatten. Wir zogen bei anhaltendem leichtem Schneetreiben weiter auf einen Berghang hinauf – plötzlich, als wir gerade um eine Felsennase biegen wollten, verhoffte mein Pirschführer. Er hatte einen Trupp Widder ausgemacht. Den Repetierer 30.06 im Anschlag drückte ich mich gebückt an Josef vorbei und hatte auf ca. 60 m einen atemberaubenden Anblick.


Ohne zu zögern ging ich aufs Blatt – der Schuß war noch nicht verhallt und der Muffel kam den Schneehang zu uns heruntergerutscht. Ich brauchte wohl noch einige Augenblicke, um nach drei enttäuschenden Jagdtagen das Glück zu fassen, zwar keinen kapitalen, aber doch einen ansehnlichen Muffel mit knapp 80 cm-Schnecken mein Eigen nennen zu können.

Das obligatorische „zum Muffeljäger schlagen“ ertrug ich über meine Beute gebeugt mit großer „Tapferkeit“. Endlich – am vorletzten Jagdtag – durfte ich auch mit einer Trophäe ins Jagdhaus einkehren. Da auch Benny doppelten Jagderfolg hatte, zeigten wir uns beim Waidmannsheil-Umtrunk entsprechend motiviert. So konnten wir doch am Ende unseres Jagdausfluges, beim Blick aus dem Fenster im ersten Stock, auf eine stattliche Strecke von 6 (erlegt hatten wir 8, aber 2 hingen in einem anderen Jagdhaus) Muffelwidder und einigen starken Sauen blicken. Über die Saujagd, die mit der Muffeljagd einherging, berichte ich an anderer Stelle separat. Sie hat eine ausführliche Schilderung verdient.
Franz Winter, Lorch, im Februar 2010